Weltverband verleiht Ehrenmeistertitel an Dr. Weißauer

Im September dieses Jahres verlieh die Abteilung World Federation of Chess Composition des Weltschachverbandes auf ihrer Tagung in Kobe (Japan) unserem Urgestein des Problemschachs Dr. Hermann Weißauer für seine großen Verdienste um das Problemschach den Titel "Honoraray Master of Chess Composition". Nur 2 weitere deutsche Problemisten haben eine solche hohe Ehre erfahren.  Unter den vielen Ehrungen, die unser nunmehr 92 Jähriger erhalten hat, ist diese vom Weltverband vergebene doch etwas ganz Besonderes.

Der Präsident des Pfälzischen Schachbundes Bernd Klöppel erklärt in seinem Glückwunschschreiben: "Wir sind stolz, dass wir in der Pfalz so jemanden wie Dr. Weißauer haben, der sich seit Jahrzehnten auf dem Gebiet des Problemschachs engagiert hat und dies nach wie vor tut".

Die Zwölfer freuen sich auch mit ihrem agilen Mitglied Dr. Hermann Weißauer über diese herausragende Ehrung!

Problemschach-Theorie (1)

In dieser Rubrik möchte ich dem interessierten Publikum jeweils einen problemschachlichen Begriff vorstellen und anhand eines Beispiels erläutern. Beginnen möchte ich mit dem Inder, ich greife dabei auf meinen Artikel aus unserer Clubzeitung zurück (Heft Nr. 51, Juli 2003, S. 57).

Der Inder (Indisches Problem, auch Loveday genannt) ist eine direkte weiße Schnittpunktkombination, und zwar eine kritische Überschreitung eines Schnittpunkts, um ihn für eine Anderssen-Verstellung (zweizügiges Manöver bestehend aus einer freiwilligen pattverhütenden Verstellung eines weißen Langschrittlers gefolgt von einem Abzugsschach) brauchbar zu machen.

Im Februar 1845 veröffentlichte Staunton in seinem „The Chess Player's Chronicle" einen Problembeitrag aus Indien. Später stellte sich heraus, dass der Autor Henry A. Loveday hieß und das Amt eines Geistlichen im „Bengal Ecclesiastical Establishment" ausübte. Die Aufgabe machte beispiellose Furore, aber erst J. Kohtz und C. Kockelkorn blieb es vorbehalten, in ihrer berühmten Monographie „Das Indische Problem" (1903) die Bedeutung des von Loveday erfundenen kritischen Zuges voll zu erkennen und in die Problemtheorie einzuführen. Diese Studie bildete dann auch den eigentlichen Ausgangspunkt der so fruchtbaren Neudeutschen Schule.

H.A. Loveday

Chess Player's Chronicle 1845

Version

 Theorie01 image1

#3 (8+4)

Betrachten wir uns das Pionierproblem zur indischen Verstellung:

Mit dem kritischen Zug 1.Lc1! leitet Weiß die pattvermeidende Verstellung des weißen Läufers ein. Nach 1.- b4 steht Schwarz patt. Nun folgt der Sperrzug 2.Td2 mit Pattaufhebung durch Fluchtfeldgabe auf f4. Schwarz bleibt nur der Königszug nach f4, worauf 3.Td4# mit Ausnützung der Anderssen-Verstellung folgt.

Problemschach-Theorie (2)

In dieser Ausgabe beschäftigen wir uns mit dem Römer, den ich in unserer Klubzeitung im Heft Nr. 59 vom August 2008 erläutert habe.

Hans Klüver definiert die römische Idee in seinem prächtigen Erich Brunner-Buch folgendermaßen:
Schwarz könnte eine Drohung des Weißen (= Hauptplan) mit einem bestimmten Stein erfolgreich parieren. Weiß lenkt daher diesen Stein im Vorplan derart, dass er die Hauptplandrohung zwar immer noch auf analoge Weise parieren kann, wodurch aber eine Schädigung von Schwarz entsteht, die von Weiß genutzt wird.

Der Urahne des Römers dient uns als Illustration eines praktischen Beispiels:

J. Kohtz & C. Kockelkorn
Deutsches Wochenschach 1905
Theorie02 2012
#4    (6+2)


Den Hauptplan (Probespiel) 1.De2 mit der Drohung 2.Ld3 und 3.Dc2# durchkreuzt Schwarz mit der Parade 1.- Lg5 (2.Ld3 Lxe3!). Trotz der Vorplanlenkung 1.Sd6! ist Schwarz weiterhin in der Lage, die Probespieldrohung zu widerlegen (2.De2 Lf4 3.Ld3 Lxe3! 4.Dc2+ Kxd4). Themagemäß enthält diese analoge Verteidigung jedoch eine neue, ursprünglich nicht enthaltene Schädigung, nämlich den Schlagzug 3.exf4 mit der Fortsetzung 3.- Kxd4 4.De5#. Die vollständige Lösung lautet also 1.Sd6! (2.Sf5#) Lxd6 2.De2 Lf4 3.exf4 Kxd4 4.De5#. Wird, wie im vorliegenden Fall, der deckende Stein geschlagen, spricht man von einem Schlagrömer. Weitere Arten, je nach Eigenschaft der Schädigung, sind der Blockrömer, Entfesselungsrömer, Verstellungsrömer, Tempogewinnrömer, Wertverluströmer und andere mehr.

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